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6.3.2019 Blog 3

Differenzierte Betrachtung zum Konstrukt "grit"

Ausgehend von den vielfältigen Diskussionen, möchte ich eine praxisorientierte Sichtweise ergänzen. Die vorgestellte Persönlichkeitseigenschaft „grit“ wird sehr vielgestaltig interpretiert. Als „non – kognitiv“ wird sie eher intelligenzunabhängig dargestellt, aber im Bereich des Erfolges ist diese Aussage schwer vorstellbar. Besonders bei einem bestimmten Vorgehen mit Hilfe von  Zielerreichung, Zielorientierung, Zieleart und Definition ist ein gewisses Maß an fluider Intelligenz nötig. Ich verweise besonders auf die variablen Konstrukte in der Intelligenzforschung bzw. Intelligenzformen und Mischformen wie kognitive, fluide, kreative, kristalline, erfahrungsabhängige Intelligenz , ganz unabhängig betrachtet von einem IQ sowie spezifische Inselbegabungen. Emotionale Intelligenzen werden von Goleman im empathischen Bereich diskutiert, aber auch eine körperliche Intelligenz mit spezifischen Sinneswahrnehmungsfähigkeiten im feinmotorischen Bereich wären denkbar. Bei IQ – Testverfahren, die ich z.B. selbst im Selbsttest durchgeführt habe, werden verschiedene Formen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wie mathematische Intelligenz, Fähigkeit zu sprachlichen Analogien und zu räumlicher Vorstellung geprüft. (z.B. Wechsler Intelligenztest) Ich bin der Meinung, dass ein Zusammenhang zwischen einem IQ – Ergebnis und Durchhaltevermögen nicht grundsätzlich kombinierbar, aber auch nicht auszuschließen ist. Tatsächlich habe ich hochintelligente Menschen erlebt, die trotz hohem IQ im Berufsleben aufgrund von geringem Durchhaltevermögen gescheitert sind bzw. überfordert waren. Im Spitzensport gibt es durchaus sehr erfahrungsintelligente Personen, die einen knapp durchschnittlichen IQ erreichen und trotzdem Weltmeister werden. Deshalb vertrete ich die Meinung, dass das Konstrukt „grit“ viel differenzierter diskutiert werden muss.Talent ist nicht bei allen erfolgreichen Menschen ursprünglich vorhanden gewesen und trotzdem sind sie beharrlich auf dem Weg geblieben. Besonders unter dem Aspekt der verschiedenen kompensatorischen Mechanismen, die sich im Laufe der Entwicklung eines Menschen ergeben. Die emotionale Stabilität halte ich zum Beispiel für eine wesentliche Grundlage sowie spezifische Motive,  entwickelte Bedürfnisspannungen in verschiedener Ausprägung. Eine Bedürfnismotivation oder eine frühere Bedürfnisunterdrückung (Deprivation) könnten bei Personen mit „grit“ ebenfalls in Frage kommen. Der Antiapartheidkämpfer und Politiker Nelson Mandela ist ein gutes Beispiel für einen Menschen mit einem ausgeprägtem Zustand von  "grit". Trotz langer Haft gab er den Glauben an Gerechtigkeit und Demokratie in Südafrika niemals auf.
(Anmerkung: Ich traf übrigens Mandela 1996 persönlich bei einem Projekt des IOC Netherland.) 
In meinem Blog werde ich verschiedene Menschen mit hohem "grit" in kommenden Interviews zu Wort kommen lassen. Sei gespannt. 

Deine Grit.

15.8.2018 Blog 2

GRIT im Sport
Ein Interview mit dem UltraTrailläufer Krystian Pietrzak  

Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit gibt es in vielen Bereichen des Lebens. Fitmitgrit hat dazu den Ultratrailläufer Krystian Pietrzak (35 Jahre) zu diesem Thema ganz persönlich gefragt. Er ist Sportwissenschaftler, Fitnesstrainer und Medizinstudent. Aktuell absolviert er Läufe zwischen 100 und 350 km. Diese Distanzen möchte er noch auf 500 km verlängern.  Er ist ein Mann mit „Biss“ und Durchhaltevermögen. Wie er das schafft, erfahrt Ihr im folgenden Interview.

Frage 1: Wie bist Du auf die Idee mit den Ultratrailläufen gekommen?
„Ich war früher in der Schule ein guter Sprinter und habe in dieser Disziplin meine Erfolge erzielt. Das lag wohl in meiner Natur. Dann habe ich Sportwissenschaft studiert und sollte ein Marathontraining für einen Kollegen vertreten. Ich bin aber nie vorher selbst einen Marathon gelaufen. Während des Trainings habe ich gemerkt, dass ich recht schnell die Grenzen des Erreichbaren verschieben konnte. Nach 3 Monaten lief ich bereits die Marathonstrecke unter  3:30 Stunden. Das hat mich sehr motiviert, weiterzumachen. Zu dieser Zeit war ich noch im 2. Job als Kellner tätig und habe meine Trainingseinheiten in der Nacht absolviert. Später haben mich dann die Ultraltrailäufe interessiert, an denen ich regelmäßig im Ausland teilnehme, aktuell  z.B. an der „Tor des Geants 2018“ .

Frage 2: Was bedeutet für Dich Durchhaltevermögen bzw. GRIT im Allgemeinen?
„Durchhaltevermögen bedeutet für mich, dass ich mich herausfordere, meine Grenzen erweitere, Fertigkeiten optimiere. Ich bin neugierig auf kalkulierbares Risiko. Diese Mischung lässt mich durchhalten. Ich kenne meine Kräfte, Fähigkeiten, Fertigkeiten, meine motorischen Erfahrungen und lerne gerne. Ich bin sehr stark in Kontakt mit mir bei langen Distanzen. Körperwahrnehmung, Geduld und Selbstdisziplin kommen hinzu. Ich bin hauptsächlich von innen heraus motiviert. Niemand hat mich gebeten, diese Distanzen auf mich zu nehmen.“ 

Frage 4: Was bedeutet es für Dich, bei Ultratrailläufen über 3 Tage durchzuhalten?
„Ich brauche das Gefühl, meine Leistungen auszutesten. Kann ich mehr schaffen, als beim letzten Lauf? Habe ich meine mentale Einstellung passend justiert?  Durch das sogenannte Lifetracking weiß ich, dass auch Freunde und Verwandte zuschauen. Das bedeutet Motivation von außen, auch wenn sie mich nur auf dem Smartphone als Punkt beobachten. Die Bedingungen bei Ultratrails wechseln sehr stark. Von den Alpen mit Schnee und Sturm hinunter ins Tal und Hitze spüren. Diese Wechsel zu spüren und in die physische Beanspruchung zu integrieren, macht mir Spass. Vom normalen Runner's High bis zum tiefen Trance erlebe ich vielfältige innerpsychische Momente. Ultraläufe bedeuten für mich, einen Weg zu mir zu finden bzw. mich noch besser zu kennen.“ 

Frage5: Glaubst Du, dass man dafür ein spezielles Talent braucht, psychisch mit Schwierigkeiten umzugehen, am Ball zu bleiben und sollte man physisch besondere Grundlagen aufweisen?
Ich brauche einen klaren Fokus, exploratives Denken, motorische Intelligenz und ein hohes Maß an Selbstoptimierung. Körperwahrnehmung, Transferfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Geduld, realistische Selbsteinschätzung und ein Maß an Anstrengung. Flexibles Lernen benötige ich, um meine Wettkampfzeiten zu verbessern und längere Distanzen zu testen. Ständiges Lernen und Modifizieren im Tun ist also der Schlüssel für mich. Physisch sollte man einfach gesund sein. “ 

Frage 6: Um Dich immer wieder für ein Training und Wettkämpfe zu motivieren, benötigst Du ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Deine Ziele beharrlich zu erreichen. Wie schaffst Du das?
Ich halte meine wichtigsten „Babysteps“ ein und höre genau auf meinen Körper. Meine Ziele sind langfristig aufgebaut und ich möchte meine Grenzen als Mensch kennenlernen. Das gibt mir Energie und Freude. Mit diesem lohnenden Gedanken erhalte ich meine Selbstdisziplin.   

Frage 7: Wenn Du während eines Wettkampfes spürst, dass Dein Durchhaltevermögen sehr schwach ist, was tust Du?
Ich nutze die rationale und emotionale Ebene. Ich habe viele Bilder im Kopf und habe mich mit der Schmerzwahrnehmung beschäftigt. Das Gefühl von Muskelschmerzen rufe ich in unterschiedlichen Situationen ab und verknüpfe es mit Momenten aus dem Fitnesstraining. Wie spüre ich den Schmerz? Wo und wie stark ist er? Im emotionalen Bereich helfen mir positive Gefühlszustände mit sinnlichen Vorstellungen, Mantrasingen und einem FLOW – Gefühl.“ 

Ich bedanke mich für das Gespräch.                                                                        Köln, am 9.8.2018

21.1.2018  Blog 1

Grit-Coaching ? - Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit  für Job und Alltag

Mit meinem neuen Blog „Grit – Coaching“ und viel Durchhaltevermögen das neue Jahr 2018 beginnen

Ich begrüße alle Interesssenten auf meinem Blog, die gerne mehr über die Persönlichkeitseigenschaft Grit (amerik. Terminologie) erfahren möchten. Interviews mit vielen Personen und Persönlichkeiten in Wort oder Videoform werden Euch das Thema leicht verständlich aufnehmen lassen. Seid gespannt.

Hier auf meiner Webseite habe ich bereits die Ursprünge und Entwicklung der Betrachtungen zu diesem Thema in Ansätzen aufgeführt.

Zunächst gebe ich Euch ein paar Informationen darüber, warum mir dieses Thema sehr am Herzen liegt. Seit 26 Jahren arbeite ich mit Menschen, die entweder ihre körperlichen, geistigen, psychischen  Fähigkeiten oder Fertigkeiten verbessern möchten. Der eine oder andere kommt dabei zu erstaunlichen Ergebnissen, andere eben nicht. Mancher hat mehr Grit als der Andere.

Folgende Fragen bzw. Ideen möchte ich z.B. in meinem Blog bearbeiten:

  • Was ist Grit genau?
  • Wie sind diese Unterschiede im Bereich der erfolgreichen Zielerreichung zu erklären?
  • Wie wird Erfolg im Zusammenhang mit Grit ausreichend definiert?
  • Welche weiteren Faktoren bzw. Einflüsse bestimmen den Grad an Grit?
  • Ist Grit erlernbar oder vermittelbar?
  • Warum lohnt sich ein Grit-Coaching für jeden, der etwas verbessern oder verändern möchte?
  • Was hat Grit mit Intelligenz zu tun?
  • Sind Menschen mit viel Grit immer erfolgreich?
  • Haben Menschen mit beschwerlichem Start ins Leben die Möglichkeit mehr Grit aufzubauen als Menschen mit einem unbeschwerten Leben?
  • Welche Methoden könnten für die Entwicklung von mehr Grit bei Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, um handlungsfähig im Leben sein?
  • Was hat das Fitnesskonzept „Grit“ mit der Persönlichkeitseigenschaft zu tun?

  • Es gibt bereits jede Menge Forschungsaktivitäten zu diesem Thema, welche ich aufmerksam verfolge und in mein Konzept kritisch einfließen lassen möchte sowie diskutiere.

    Ich freue mich deshalb über eine rege Beteiligung, Fragen und Diskussionen rund um das Thema Grit.

    Eure Grit Moschke
    (Coach, Dipl.-Psychologin, Sportpsychologin)                                              

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